Philosophische und historische
Anthropologie der Kunst 

Institut für
Kunst- und Kulturwissenschaften

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Laufende Forschungsprojekte am Ordinariat für philosophische und historische Anthropologie der Kunst (Univ.Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow)

Abb.: akg Berlin

Das Bild des Denkens/Denken in Bildern
Wege zu einer neuen Philosophie der Imagination aus dem Geiste Giordano Brunos

Forschungsprojekt unter Leitung von O.Univ.Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow und wissenschaftlicher Mitarbeit von Dr.des. Ingrid Hölzl

Die moderne Hirnforschung liefert zwar Einblicke in die elektrischen Aktivitäten des Gehirns, kann aber mentale Repräsentationen, seien es Bilder oder Gedanken, nicht visualisieren. Die Semiotik mentaler Prozesse bleibt daher immer noch im Bereich metaphysischer Spekulation verhaftet. Gerade hier aber könnten philosophische Konzepte wie diejenigen Giordano Brunos, die in radikaler Weise von der epistemischen Grundierung des Bildes ausgehen, helfen, den Abgrund zwischen Wort und Bild zu überbrücken, der die strukturalistische und poststrukturalistische Theorie bisher daran gehindert hat, Denken und Imaginieren als zwei Seiten ein und derselben mentalen Aktivität bzw. ein und desselben epistemischen Prozesses zu betrachten.

In der Folge des »iconic turn« in den Kunst- und Kulturwissenschaften ist die strukturalistische Bildsemiotik wieder von einem eher spekulativen philosophischen Bildverständnis abgelöst worden, demzufolge Bilder als Agenten im intellektuellen und kognitiven Seelenvermögen des Menschen zu betrachten sind. In diesem Zusammenhang erhält nun auch die Vorstellungskraft – vor allem im Feld der Bildwissenschaften – nach einer langen Zeit der wissenschaftlichen Exkommunikation vermehrte Aufmerksamkeit.

Ziel des Projekts ist daher, an meine Forschungen zur mental imagery und zu virtuellen Bildern (cf. Alliez/Samsonow 1998 und 1999) sowie an meine Übersetzungen und Kommentare zu Texten Giordano Brunos (cf. Bruno 1991 und 1995) und anderen Renaissancephilosophen anzuknüpfen, deren Beitrag zur Philosophiegeschichte der Imagination bisher nicht deutlich genug herausgearbeitet wurde.

In seinem Text de compositione imaginum (1591) definiert Bruno &nash; entsprechend der mnemologischen Definition des Gedächtnisses als aus Orten (loci) und Bildern (imagines) bestehend – selbiges als den Prozessraum einer inneren Malerei. Der aktive Focus dieser »pictura interna«, verstanden als mentale Projektion in Umkehrung der Logik der retinalen Perzeption, die Kepler einige Dekaden später wissenschaftlich begründen wird, ist der »spiritus phantasticus«. Wie der Maler in seinem Studio projiziert dieser Geist unzählige Bilder auf den »locus«. Dieser ist jedoch der mnemologischen Tradition zufolge keine mentale Repräsentation eines bestimmten Ortes, sondern vielmehr ein Meta-Locus und folglich ein Symbol des Gedächtnisses selbst.

Lachmanns stringenter etymologischer Analyse der Begriffe »phantasia« und »imagination« (cf. Lachmann 2002) folgend, stellt sich die Frage, ob die Imagination nicht als die einzig wahre Halluzination aufzufassen ist, da sie doch zumindest Gewissheit über die Verfasstheit der menschlichen Seele verschafft. Anstatt in der Tradition des frühneuzeitlichen Rationalismus das »innere Sehen« vom Bereich der »wissbaren Dinge« (Kepler) auszugrenzen, müsste in der Folge auch die soziale Dimension der Imagination als einziges transitives Seelenvermögen betont werden, das keiner sinnlichen, d.h. medialen Übermittlung bedarf.

Zitierte Literatur

Eric Alliez/Elisabeth von Samsonow (Hrsg.): Telenoia. Kritik der virtuellen Bilder. - Wien: Turia + Kant 1999 (= TransArt, Bd.1)

Eric Alliez/Elisabeth von Samsonow (Hrsg.): Hyperplastik. Kunst und Konzepte der Wahrnehmung in Zeiten der mental imagery. - Wien: Turia + Kant 2000 (= TransArt, Bd.2)

Giordano Bruno: Über die Monas, die Zahl und die Figur. Mit e.r Einl. hrsg. von E. Samsonow, Kommentar v. Martin Mulsow. Hamburg: Meiner 1991.

Giordano Bruno. Hrsg., mit e.r Einführung versehen u. z.T. erstmals übers. v. Elisabeth Samsonow. München: Diederichs 1996 (= Philosophie jetzt!).

Renate Lachmann: Erzählte Phantastik. Geschichte und Semantik des Phantastischen in der Literatur. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2002.

Kontakt: i.hoelzl@akbild.ac.at

Stand: 8. April 2007

 

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