Philosophische und historische
Anthropologie der Kunst 

Institut für
Kunst- und Kulturwissenschaften

] a [   akademie der bildenden künste
wien

Lehrangebot im WS 2009/10

VL Anthropologie I
»Ich bin die Vielen«

SE für DiplomandInnen und DissertantInnen

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Lehrveranstaltungen von
O.Univ.Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow

Wintersemester 2009/10

Abb.: WWW

Vorlesung Anthropologie I
»Ich bin die Vielen.«
Triebe, Beeinflussungsapparate, Kunst

Blocklehrveranstaltung an folgenden Terminen:
16. Okt. 2009, 9-12 und 14-16 Uhr
30. Okt. 2009, 9-12 und 14-16 Uhr
4. Dez. 2009, 9-12 und 14-16 Uhr
11. Dez. 2009, 9-12 und 14-16 Uhr

»Woran man wirklich teilzunehmen vermag, dem ist man schon zur Hälfte vereinigt.«
»Aufmerksamkeit ist so viel wie Liebe.«
(Hugo von Hofmannsthal, Andreas, Romanfragment ca. 1905)

Die theoretische Fetischisierung von Identität verlegte bisher den Zugang zum Verständnis jenes »Einbruchs des Anderen«, der durch die moderne Version von Kommunikation, die wesentlich Tele-Kommunikation ist, durchgesetzt ist. Im Übrigen, das soll nun unterstrichen werden, ist jene Verbindung zwischen diesem »Einbruch des Anderen« und der Vervielfältigung des Ich der zentrale Tropus der Kunst, und zwar sowohl ihrer bildenden, als auch darstellenden und literarischen Formen. Um die Jahrhundertwende fällt nun aber das, was man als die neuen Medien der Zeit bezeichnen kann, in die Subjekte ungefähr so ein wie ein paralleles (An)Trieb(s)system, wie Victor Tausk in seiner kleinen Schrift »Über den Beeinflussungsapparat« (1919) als schizophrene Phantasie auseinandersetzt. Die beginnende Telekommunikation, der Film und die Tele- und Grammophonie setzten die Subjekte einer sie vervielfachenden Spiegelwelt narzistischer Tönung aus, in der sie nicht mehr sicher sein konnten, wie weit ihre »natürliche« Reichweite und Ausstrahlung wirklich ging. Das Weltbild, das uns eine aus Frequenzen und Antennen komponierten Raum zeigt, schiebt eine Idee der Verbindung in den Vordergrund, die nicht allein durch die Tatsache der Verfügbarkeit von Informationen zustande kommt, sondern auch durch eine medial gesteuerte »Vertauschbarkeit der Ichs«, die sich auch, als einander parallel, gegenseitig ersetzen könnten.

Die Absicherung im Gruppen-Ich fungiert als (pubertäre) Verstärkung, zugleich aber verschärft sie (durch »Beeinflussungsapparate«) die Tendenz zum Totalitarismus. Die Vorlesung beschäftigt sich mit dem Konzept »Jugend« im 20. Jahrhundert, sofern sie die wesentliche, der medialen Genese der Gegenwart eingeschriebene expressive Wirklichkeit bis zu Konzept der multitude darstellt. In dieser Hinsicht ist die Frage leitend, inwiefern sich männliche und weibliche Hysterie unterscheiden bzw. inwiefern bereits um die Jahrhundertswende eine Unisex-Bewegung einsetzt, die diese Unterscheidung unter Umständen zur Disposition stellt. Auf dem Hintergrund der gut bearbeiteten weiblichen Hysterie soll diesmal also die männliche Hysterie, die Hysterie des puer aeternus, im Vordergrund stehen, die wesentlicher Motor der Popkultur ist.

Anhand von Text-, Film- und Hörbeispielen (auch Hörspielen) wird die künstlerische Bedeutung experimenteller Selbstdarstellung untersucht, wobei es darum geht, die Verbindung zwischen Sprache und Bild mit neuen Mitteln zu erforschen. Die »kritische Sprache« als Urteilsinstanz gegenüber der Kunst wird dekonstruiert, indem literarische Formen der Auseinandersetzung mit Kunst in den Fokus gerückt werden. Die Vorlesung dient auch als Einführung in die Kunstphilosophie des beginnenden 20.Jahrhunderts.

Eine Literaturliste ist in Vorbereitung, zur Einarbeitung eignen sich, je nach Interessenlage, u.a. Texte und Werke von Friederike Mayröcker, Michael Hardt/Antonio Negri, J.G. Fichte, Immanuel Kant, Friedrich Nietzsche, Egon Schiele, Sigmund Freud, Lou Andreas Salomé, Matt Mullican, Urs Lüthi, Cindy Sherman, Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Frank Wedekind, Anton Peschka sr., Theodor Meynert, Rudolf Kassner, Victor Tausk, Birgit Jürgenssen, Fritz Mauthner, Alfred Kubin.

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Mutter mit Tochter. Holzrelief von E.v. Samsonow

Abb.: © E. v. Samsonow

Seminar für DiplomandInnen und DissertantInnen,

Termine:
20. Okt. 2009, 11.00-16.00 Uhr,
3. Nov. 2009, 10.00-16.00 Uhr,
24. Nov. 2009, 10.00-16.00 Uhr,
22. Dez. 2009, 10.00-16.00 Uhr

Ort: M16

Voraussetzung zur Teilnahme ist die Einreichung eines zweiseitigen Arbeitsberichtes bis Mitte Oktober.

Privatissima und Sprechstunden mit Prof. Elisabeth von Samsonow

Termine nach Voranmeldung an folgenden Tagen möglich:
5. Okt. 2009,
28. Okt. 2009,
11. Nov. 2009,
25. Nov. 2009,
16. Dez. 2009,
14. Jan. 2010.

Jeweils zwischen 10.00 und 16.00 Uhr, Raum M16

Kontakt/Anmeldung: d.reithner@akbild.ac.at.

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