Philosophische und historische
Anthropologie der Kunst 

Institut für
Kunst- und Kulturwissenschaften

] a [   akademie der bildenden künste
wien

Lehrangebot im SS 2010

VL Anthropologie I
KONFUSION

SE für DiplomandInnen und DissertantInnen

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Lehrveranstaltungen von
O.Univ.Prof. Dr. Elisabeth von Samsonow

Wintersemester 2010/11

Abb.: Simon Wagner

Vorlesung Anthropologie I
KONFUSION
Die Wahrheit der Wahrnehmung

Blocklehrveranstaltung!

Termine:
15. Oktober 2010
10. Dezember 2010
14. Jänner 2011 (entfällt)
21. Jänner 2011

Hörsaal M20,
jeweils von 9–12 und von 14–16 Uhr

Das Konfuse ist heute als philosophische Qualität ausrangiert oder dient allenfalls noch als negatives Prädikat. Was konfus ist, gilt nichts. Damit wird unterschlagen, dass es, wie der barocke Philosoph und Universalgelehrte G.W. Leibniz gemeint hat, diejenige Kategorie der Erkenntnis darstellt, innerhalb derer die größten Erkenntnismengen auftreten.

In der Tat stellte auch Leibniz das Konfuse dem Klaren und Distinkten gegenüber, welchen er einen hohen kognitiven Rang einräumte. Aber dennoch ließ Leibniz keinen Zweifel daran, dass dieses »unbekannte Etwas«, dieses »Ich-weiß-nicht-was«, dieses Rauschen der sinnlichen Information (»bruit de la mer«, so Leibniz) just die Erscheinungsform der Kunst selbst sei. Sie würde Wahrnehmungen (»petites perceptions«) in einer vermischten Form liefern, die des Merkmals der Klarheit entbehrten. Diese Auffassung, die in der Tradition der Logik von Port Royal dort das Problem sieht, wo Ideen mit sinnlichen Wahrnehmungen vermengt auftreten, wirkt bis in die Ästhetik des 19.Jahrhunderts hinein. Ihre Botschaft lässt sich auf folgende Probleme – die übrigens auch in Leibnizens Neuer Abhandlung über den menschlichen Verstand diskutiert worden waren – reduzieren: entweder ist eben die Distinktheit und die Klarheit noch nicht erreicht, ist die »verworrene Erkenntnis« die (brauchbare) Ausgangslage für eine vertiefende Erfassung, oder es ist der Erkenntnisgegenstand selbst von der Art, dass er den Sinnen immer nur Konfuses zu liefern vermag, mehr nicht.

Die Vorlesung rollt einmal in einem ersten Schritt die – nicht immer konsistente – Begriffsgeschichte des Konfusen auf, wobei das Augenmerk insbesondere auf die wechselnden Bewertungen des »Konfusen« gelegt wird. Zumal es auch die Möglichkeit gibt, den Begriff des Konfusen wörtlich mit »Verschmelzung« zu übersetzen, wird parallel dazu auch diese Begriffsgeschichte – die eine technologische und erotische Seite hat – ausgeleuchtet. Schließlich soll gefragt werden, was nun aus diesen Begriffen in der Gegenwart geworden ist. Eine gewisse Konjunktur von »fusion« und »confusion« unter dem Vorzeichen der Popkultur soll einmal als Motiv einer versuchsweisen Apologie (befürwortenden Rede) des Konfusen gelten dürfen. Den Konsequenzen einer »fehlenden Unterscheidung«, als welche man das Konfuse wird verstehen dürfen, wird sowohl in bewusstseinslogischer, erkennntislogischer, ästhetischer, als auch in erotischer und technologischer Hinsicht nachgegangen. Eine Anregung von Chris Kraus aufnehmend, muss aber auch gefragt werden, ob Konfusion nicht immer auch ein Zeichen eines – unter Umständen auch sehr subtilen – Missbrauchs ist.

Materialien zur Vorlesung:

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Mutter mit Tochter. Holzrelief von E.v. Samsonow

Abb.: © E. v. Samsonow

Seminar für DiplomandInnen und DissertantInnen,

Termine:
21. Okt. 2010,
10. Nov. 2010,
15. Dez. 2010

Ort: M16

Privatissima-Termine:

Während der Sprechstunden, nur mit Anmeldung (s.u.)

Sprechstunden mit Prof. Elisabeth von Samsonow

Termine:
11. Okt. 2010,
25. Okt. 2010,
22. Nov. 2010,
29. Nov. 2010,
10. Jän. 2011

Anmeldung: Dunja Reithner

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