Lehrveranstaltungen am
Ordinariat für philosophische und historische Anthropologie der Kunst
Sommersemester 2011
Prof. Elisabeth von Samsonow
Foto: Simon Wagner
Vorlesung Anthropologie I
SPIEL/ZEUG//GADGETS – INFANTILE GEGENWART?
Instrumente · Geräte · Apparate · Medien · Kunst
Termine:
Mo., 24. 10. 2011, 9–12 und 14–16 Uhr
Fr., 25. 11. 2011, 9–11.45 und 12.45–16 (!)
Fr., 16. 12. 2011 – mit Ossi Urchs und Friederike Mayröcker!
Hörsaal M20,
jeweils von 9–12 und von 14–16 Uhr
Der Status von Werkzeugen und Instrumenten hat sich im Laufe der Zeit ganz grundlegend verändert, was mit dem Begriff einer zweiten Natur, einer zweiten Evolution, und nicht zuletzt mit Ideen wie der des technischen Fortschrittes, der offenbar als unausgesetzte Bewegung vorgestellt wird, zu erfassen versucht wurde. Zweifelsohne wird es von Bedeutung sein, zu klären, welchen Status denn nun die zeitgenössischen Geräte und Apparate haben, wenn man Einblick in die Mittel des anthropologic design gewinnen möchte. Meine These ist die, dass zeitgenössische Apparateklassen, deren Gebrauch massenhaft und häufig ist, weniger als Instrumente oder Apparate im post-aristotelischen Sinne zu sehen sind als vielmehr als Spielzeuge. Drüber ist bereits mehrfach gesprochen worden, jüngst von Jaron Lanier in seinem Bestseller »Gadgets« (s. Literaturliste).
»Spielzeug« hat den Vorteil, gewisse Qualitäten in Bezug auf die Stimmung, innerhalb derer das Gerät zur Anwendung kommt, zu transportieren. Gegen die Annahme, dass es sich in der Herstellung von Instrumenten, Apparaten usf. um einen sich fortwährend aufstufenden Prozess handelt, der metaphorisch als ein Beweis des stets fortschreitenden Erwachsenwerden der Menschheit gelten darf, wird die Vorlesung auf mehreren Ebenen arbeiten, wobei dem Progress der Regress und der Evolution die Involution entgegenstellt werden. Nicht wenige Denker, die man als Zeugen der technologischen Evolutionsidee anführen würde, stellen sich bei genauerer Lektüre nämlich als Propagandisten einer gewissen konstitutiven menschlichen Infantilität heraus, was den Absichten der Vorlesung keineswegs entgegensteht.
Nach einem kursorischen Durchgang durch die wichtigen Positionen der Technikphilosophie möchte ich daher in pointierten Thesen einen neuen Ansatz einer zeitgenössischen Technikdefinition vorstellen, der auch das, was Kunst ist, mit einschließt. Ferner muss der Vorstellung Raum gegeben werden, dass die Produktion von funktionierenden Körpern (Apparaten) in ihrer poetischen Bedeutung Allegorie von Leben ist, womit das gender-Thema wesentlich eingeführt ist.
Materialien zur Vorlesung:
Abb.: © E. v. Samsonow
Seminar für DiplomandInnen und DissertantInnen,
Termine:
25. Okt. 2011, 10.00–16.00 Uhr,
15. Nov. 2011, 10.00–16.00 Uhr
19. Dez. 2011, 10.00–16.00 Uhr
Ort: M16
Sprechstunden / Privatissima
Termine an (und nur an) folgenden Tagen:
12. Okt., 7. Nov., 5. Dez. 2011, jeweils 10–13 Uhr, Raum M16
Voranmeldung erforderlich bei Dunja Reithner (Sekretariat Kunst- und Kulturwissenschaften)!
Dr. András Zwickl,
Magyar Nemzeti Muzèum, Budapest
Montage: Simon Wagner
Seminar Anthropologie III
NEUE KOLLEKTIVE AGENTEN
Künstlerische Bewegungen in Europa um die Jahrhundertwende. Das Beispiel Ungarn und seine internationalen Verbindungen: Wien, Berlin, Paris
Termine werden noch bekannt gegeben
Das Seminar untersucht das Institutionssystem der klassischen Moderne in der Periode 1880–1914 anhand von Beispielen der Kunst in Ungarn. Die Zielsetzung des Seminars ist doppelt: Neben der Analyse der sich umformenden und neu entwickelnden Institutionen bzw. durch diese werden gleichzeitig die wichtigsten KünstlerInnen und Richtungen der ungarischen Kunst dargestellt.
Während des Kurses werden folgende Themen behandelt:
- Gegenüber den traditionellen Formen der Künstlerausbildung erscheinen alternative Versuche (Akademie vs. Freischulen)
- Neben den großen Künstlerorganisationen, die sich früher eine Monopolsituation befanden, treten die VertreterInnen der neuen Richtungen als kollektive Agenten auf (Künstlergruppen, Ausstellungsgesellschaften)
- Nicht zu unterschätzen sind die ökonomischen Bedingungen der Kunst – zu dieser Zeit entstehen und verbreiten sich die modernen Formen des Kunsthandels (Galerien, Auktionen)
- Mit den KünstlerInnen zusammen treten ihre Verbündeten, die Unterstützer der neuen Kunst auf: Die Rolle der SammlerInnen und KritikerInnen, bzw. der Presse wird ausschlaggebend
- Die verschiedenen Foren der Öffentlichkeit vermehren und differenzieren sich, neben den staatlichen Museen erscheinen privat gegründete Institutionen, und die Anzahl der Ausstellungen und Ausstellungsorte wird immer größer
Im Rahmen der Besprechung werden wir uns nicht nur auf Budapest konzentrieren, da auch die Künstlerkolonien in den ländlichen Städten eine bedeutende Rolle spielten (Szolnok, Nagybánya, Gödöllő).
Die Schauplätze der modernen Kunst befanden sich aber nicht nur auf dem Gebiet des damaligen Ungarn: Zahlreiche KünstlerInnen aus Ungarn studierten, lebten und arbeiteten im Ausland, vorwiegend in München und Wien. Andererseits gab es viele ausländische KünstlerInnen, die in der ungarischen Kunstszene präsent waren (z.B. Ausstellungen, Künstlerkolonien). Im Rahmen der konkreten Themen fokussiere ich auf einzelne zentrale Figuren der modernen Kunst in Ungarn (z.B. József Rippl-Rónai, Károly Ferenczy), und einige Themen knüpfen sich an aktuelle Ausstellungen an: Die Ausstellung über den Sammler und Mäzen Marcell Nemes (Museum der Schönen Künste, ab Oktober 2011), bzw. Károly Ferenczy (Ungarische Nationalgalerie, ab November 2011). Im Seminar werden wir uns mit Hilfe der deutsch- bzw. englischsprachigen Literatur mit den verschiedenen Fragen des Institutionssystems durch ungarische und internationale Beispiele beschäftigen. Die konkreten Themen der Seminararbeiten werden zu Beginn des Semesters besprochen und vereinbart.
Materialien zur Vorlesung: